Polynesische Tataus

Die Suche nach den Wurzeln

Tataus gelten als ein Geschenk Gottes an die Menschen. Die Ursprünge des Tätowierens gehen ohne Zweifel auf die Anfänge der Maori-Kultur zurück. Einwandernde Völker aus Süd-Ost-Asien brachten die Kunst des Tätowierens auf die polynesischen Inseln mit. Welche Rolle hatten die traditionellen Tataus in der Gesellschaft und wie ging die Geschichte der Tataus weiter? Eine Spurensuche.

Auf allen Inseln des polynesischen Dreiecks (Französisch-Polynesien, Neuseeland, Hawaii, Samoa, die Osterinseln und die Cook-Inseln) war die Praxis des Tataus weit verbreitet. Bevor die Kolonialisierung begann, war die Tätowierung ein gesellschaftlicher Indikator. Manche Tätowierungen eines Menschen beschrieben mit ihrer Symbolik die exakte Herkunft, die Stammeszugehörigkeit oder die Stellung auf der sozialen Skala. Außerdem wurden mit bestimmten Tataus wichtige gesellschaftliche Rituale markiert, wie beispielsweise den Übergang von der Kindheit zur Pubertät oder als Ausdruck für eine Heirat. Für einen Tahitianer wäre es nicht akzeptabel gewesen, ohne Tätowierung auf seinem Körper zu leben.

Die Tataus galten als heilig. Man nahm an, dass die Tataus von den Göttern vererbt wurden und eine übernatürliche Kraft mit sich brachte. Es gab beispielsweise Symboliken, die den Menschen vor dem Verlust seines „mana“, der göttlichen Essenz für seine Gesundheit, schützen sollte.

Bereits 1897 führte Karl von den Steinen, ein deutscher Ethnologe, eine Analyse zu den Tataus durch. In dieser hieß es: „Diese unveränderliche Kunst auf der Haut galt als unauslöslich und deshalb ewig. Sie sollte Zeugnis über Herkunft, Rang und Heldentum ablegen, wenn die Menschen gerufen wurden, vor ihren Vorfahren zu erscheinen – den Göttern des mythischen Landes Hawaiki“.

Für die Erstellung der Tataus nutzte man kleine, gezackte Kämme aus Knochen, Schildkrötenpanzer oder Perlmutt, der an einem Holzgriff befestigt war. Die Zähne des Kamms wurden mit Tinte getränkt und auf die Haut gelegt. Der Tätowierer strich dann mit einem Stück Holz über den Griff, so dass die Haut durchstochen wurde. Diese Prozedur dauerte manchmal für ein Tatau Wochen oder Monate. Dies verstärkte damals auch die Rolle des Tätowierens als Übergangsritus.

Heute gibt es auf fast allen bewohnten Inseln von Französisch-Polynesien Tätowierer, die die alte Kunst immer wieder neu aufleben lassen. Ihr Ruf und die Schönheit des polynesischen Tatau ziehen Besucher aus der ganzen Welt an.