Body Suspension

Abhängen mal anders - Body Suspension als Extremform des Piercens

Body Suspensions sind eine Form der Körperkunst, bei der eine Person an temporären Piercings aufgehängt wird. In Deutschland gibt es nur etwa fünf Crews, die diese Art von Piercen durchführen. Wie läuft das Ritual ab und was treibt Menschen dazu, sich an Fleischerhaken aufhängen zu lassen?

Suspensions gehen auf ein uraltes indianisches Initiationsritual zurück. Die Ogala-Sioux nannten es „Sonnentanz“, die Mandan „O-Kee-Pa“. Medizinmänner verkleideten sich dabei als Dämonen und stachen jungen Männern ihres Stammes Holzpflöcke durch die Haut und hängten sie auf. Die nachfolgende Bewusstlosigkeit galt als symbolischer Tod. Wer diese Prüfung schaffte, bekam danach einen Kriegernamen verliehen. Für die jungen Männer begann ein neuer Lebensabschnitt.

Heutzutage sind die Beweggründe sich aufzuhängen nicht in Initiationsriten begründet. Erich Kasten, Professor für Psychologie an der Medical School Hamburg sagt: „Menschen machen das nicht aus sexuellen oder masochistischen Gründen.“ Eher wollen die Menschen, die sich aufhängen lassen, auf Empfindungssuche („sensation seeking“) gehen. Wie bei Extremsportarten ist die erhöhte Adrenalinausschüttung ebenso ein Grund, wie auch die Bewusstseinserweiterung und die damit einhergehende Körpererfahrung.

Oft treffen sich die Crews in entspannter Atmosphäre in Fabriketagen oder auch zu Sommercamps in der freien Natur. Es wird geredet, Bier getrunken und gechillt. Dennoch ist der Aufwand enorm. Es wird auf strikte Hygiene Wert gelegt. Die Piercer tragen Plastikhandschuhe, die häufig gewechselt werden. Etwa zehn kleine, dicke Fleischerhaken werden immer paarweise in Rücken und Oberschenkel angebracht. Nachdem die Haken gepierct sind, wird das Kletter-Equipment bestehen aus Karabiner und Schnüre befestigt. Sobald der Body Flyer hängt, beginnt seine „sensation“: Der Körper schüttet Stresshormone aus. Adrenalin und Kortisol rasen durch seine Adern. Die Pupillen weiten sich, der Atem wird schnell und flach. Nach etwa zehn Minuten passiert aber das, was sämtliche Body Flyer diese Prozedur immer wieder wiederholen lässt: Endorphine durchfluten den Körper! Der Body Flyer baumelt entspannt an der Aufhängung und schaukelt sanft vor sich hin. Etwa eine halbe Stunde dauert die gesamte Prozedur. Und so merkwürdig wie es auch aussehen mag, dem Mensch der am Haken baumelte, schwärmt von der Erfahrung durch das fliegen. Die meisten machen es wieder irgendwann.