Chhau

Ein Meisterwerk des immateriellen Erbes der Menschheit - Der ostindische Chhau-Maskentanz

Chhau ist ein traditionelles indisches Tanztheater. Die kunstvoll angefertigten Masken aus Pappmaché und Ton zeigen dabei in mehreren Farben verschiedene Charaktere wie Götter, mythologische Gestalten, Dämonen, Menschen, Tiere und Himmelskörper wie die Sonne oder den Mond. Die Charaktere werden auf der Bühne durch farbenprächtige Tänze mit abwechslungsreichen Inhalten lebendig.

Die ostindischen Chhau-Tänze lassen sich nach drei regionale Traditionen unterscheiden, die sich in der Spielpraxis deutlich unterscheiden: Der traditionelle „Seraikella Chhau“, der lebhafte „Purulia Chhau“ und der weniger bekannte „Midnapur Chhau“. Begleitmusik in allen drei Tänzen sind Kesseltrommeln (dhamsa) und meist mehrere Fasstrommeln (dhoi). Als Melodieinstrument wird die Kegeloboe „Shehnai“ gespielt. Die Stücke sind lediglich instrumental um Rhythmus zu erzeugen, gesungen wird nicht.

Im traditionellen „Seraikella Chhau“ wurden etwa 60 Tanzstücke in den 1930er bis 1950er Jahren komponiert. Als zentrales Element wird der Übungsstil mit Schild (phari) und Schwert (khanda) aufgeführt. Man unterscheidet dabei zwischen Bewegungsabläufen, die sich an den Gangarten von Tieren orientieren. So ist etwa „bagh chali“ die Gangart eines Tigers, „hati gati“ der Elefantengang oder „gomutra chanda“ der Gang einer urinierenden Kuh. Die Bewegungsabläufe werden als Übungen unter Anleitung von einem Guru einstudiert. Das „Seraikella Chhau“ thematisiert im Tanz epische Schlachtenschilderungen bis zu Liebeslyrik oder aber symbolisch verstandene Interpretationen wie „Hara-Parvati“ (Shiva mit seiner Gemahlin Parvati), „Hamsa“ (der mythische Schwan) oder „Chandrabhaga, Sagar“ (das Meer).

Der „Purulia Chhau“ ist wahrscheinlich der bekannteste Chhau-Stil. Seine Inszenierung kommt besonders lebendig und kraftvoll daher. Im „Purulia Chhau“ tanzen etwa 15 Menschen und zehn begleiten diese mit ihrer Musik. Zentrum des Tanzes ist rund um den Ort Baghmundi. Die Tänzer tragen aufwendige Kostüme mit langen, weiten Hosen und bestickten Samtjacken. Vorstellungen im „Purulia Chhau“ beginnen abends und können die ganze Nacht dauern.

Der am wenigsten bekannte „Midnapur Chhau“ kommt aus dem Distrikt „Pashchim Medinipur“. Viele Menschen nennen ihn auch „Chho“, was soviel wie Spaß oder Scherz bedeutet. Zur Aufführung kommt der „Midnapur Chhau“ traditionell bei dem zu Ehren von Shiva veranstalteten Gajan-Fest. Bei diesem Tanz geht es weniger um die epischen Erzählungen aus den Puranas, als um die Darstellungen von Alltagssituationen und –geschichten. Die Szenen im „Midnapur-Chhau“ sind lyrischer und weniger kämpferisch als bei den anderen Chhau-Stilen.

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